L. Dietrich - Gerlinde Friewald

Direkt zum Seiteninhalt
Gerlinde Friewald und Stefan Pabeschitz sind
Lena Dietrich

»Die Passion für das Schreiben brachte die Autorin Gerlinde Friewald und Stefan Pabeschitz, Journalist und Autor, zusammen. Im Autorenduo erzählen sie die Geschichte der begnadeten wie vom Schicksal gebeutelten Malerin Artemisia Gentileschi.«

Daten und Fakten zeugen von der rauen, brutalen Welt, in die Artemisia hineingeboren wurde.

Im Gespräch mit Barbara Kaudelka erzählen Gerlinde Friewald und Stefan Pabeschitz vom Beginn ihrer Zusammenarbeit, den Roman über Artemisia Gentileschi und von ihren weiteren Plänen.

Artemisia Gentileschi
Die Malerin der Frauen

Artemisia wächst in Rom als Tochter des Malers Orazio Gentileschi auf. Schon bald ist ihr außerordentliches Talent nicht zu übersehen und sie wird von ihrem Vater unterrichtet. Als Agostino Tassi, der Freund und Kollege Orazios, die 17-Jährige brutal vergewaltigt, scheinen alle Hoffnungen auf eine glänzende Zukunft vorbei. Artemisia muss einen demütigenden Prozess über sich ergehen lassen und wird am Ende mit einem Mann verheiratet, den sie nicht liebt. Ihre Wut und Verzweiflung kann die geniale junge Frau in ihren einzigartigen Bildern verarbeiten. Es entstehen einige der größten Meisterwerke der Zeit, die Artemisia in den Olymp der bedeutendsten Künstler Italiens katapultieren.

Frühjahr 2024, Piper Verlag
Gerlinde Friewald
und
Stefan Pabeschitz

Im Gespräch

mit Barbara Kaudelka
freie Redakteurin, u.a. Literatur- und Medienressort Schau Magazin | Sprecherin | Schauspielerin | barbarakaudelka.com
Gerlinde, nach Krimis, einem Thriller, zwei Liebesroman-Reihen und weiteren Büchern schreibst du zum ersten Mal in einem Autorenduo. Warum jetzt die Zusammenarbeit mit einem zweiten Autor?

Gerlinde
Das hat sich direkt durch Stefan ergeben. Zwischen der sonst getrennten Journalismus- und Autoren-Welt gibt es einen markanten Berührungspunkt: Wenn es um die Berichterstattung geht. Wir haben uns getroffen und sofort gut verstanden. Mit unserer Begeisterung für das Schreiben war rasch die Idee eines gemeinsamen Romans geboren. Was gibt es besseres, als Wissen und Kräfte zu bündeln?

Stefan
Die Idee war wirklich so plötzlich da, dass ich gar nicht sagen kann, aus welcher Ecke sie uns angesprungen hat. Der Gedanke an einen Roman reizt mich schon länger. Schließlich ist er die Königsdisziplin des Schreibens. Natürlich ist die Herausforderung groß, aber ich weiß, dass mir der Journalismus auf Dauer nicht reichen wird.

Stefan, du bist Motor-, Reise- und Wirtschaftsjournalist und hast selbst zwei Bücher veröffentlicht.

Stefan
Ja, eine Sammlung von Kurzbiografien im weitesten Sinn aus dem Automobil-Universum und eine bitterböse Abrechnung mit dem Umweltschutz - oder genauer gesagt, mit dem, was wir dafür halten.

Der Umweltschutz ist ein großes und durchaus heikles Thema, vor allem in Verbindung mit dem Wort "bitterböse".

Stefan
Die Veröffentlichung liegt schon eine Weile zurück. Mittlerweile sind es nur noch bestimmte aktuelle Artikel, die mir Beschimpfungen und Drohungen bescheren. Aber es heißt nicht umsonst: Viel Feind, viel Ehr'.

Euer Roman handelt von einer Malerin aus dem 17. Jahrhundert - Artemisia Gentileschi. Wie seid ihr auf sie gekommen?

Gerlinde
Es entsteht eine sogenannte historische Romanbiografie - Fakten verwoben in eine spannende Geschichte. Aber nicht wir sind auf Artemisia gestoßen, sondern der Piper Verlag. Das Buch erscheint unter der großartigen Reihe "Bedeutende Frauen, die die Welt verändern". Artemisia war eine begnadete Malerin, die in der damals männerdominierten Kunstszene - was heißt, in einem generell männerdominierten Umfeld - bestehen musste. Ihr Werk "Judith enthauptet Holofernes" vergisst man nicht, wenn man es einmal gesehen hat.

Stefan
Die Dynamik in dem Gemälde ist wirklich unvergleichbar. Anatomisch sensationell – und brutal. Von Caravaggio, der als Maler viel berühmter geworden ist, gibt es ebenfalls dieses Motiv. Sein Bild ist im Vergleich statisch und distanziert. Bei Artemisia spritzt das Blut, die Augen quellen hervor, da ist Leidenschaft und Bewegung drin.

Gerlinde
Stimmt. Allein, wie Judith bei Caravaggio das Schwert mit fast spitzen Fingern hält. Ich kann mir nicht vorstellen, dass sich auf diese Weise ein Kopf abtrennen lässt.

Apropos, "Kopf abtrennen". Ich habe läuten hören, ihr arbeitet bereits an einem weiteren Projekt.

Stefan
Als Nächstes machen wir uns über einen Thriller her, und ich werde nicht davor zurückschrecken, meine böse Seite voll und ganz auszuleben.

Das bedeutet, ihr harmoniert beim Schreiben?

Gerlinde
Sehr gut sogar. Wahrscheinlich besser, als wir beide dachten. Weitgehend teilen wir die Kapitel nach den handelnden Personen auf, manchmal auch in Szenen, und kontrollieren uns gegenseitig. Am Ende jedes Kapitels gibt es eine gemeinsame Abstimmung. Damit ergibt sich automatisch ein einheitlicher Stil.

Stefan
Artemisia wurde vergewaltigt, das kommt auch im Buch vor. Wie sollte ich als Mann ergründen, was da in einer Frau emotional vorgehen könnte? Selbst wenn ich hundert Gespräche führen würde, kämen nur Second-Hand-Beschreibungen heraus. Generell geht es im Leben unserer Protagonistin richtig zur Sache: Betrug, Erpressung, Prügeleien, Hass - aber auch Liebe und Hoffnung. Es menschelt also ganz gehörig und damit holen wir die Historie in die Gegenwart der Leserinnen und Leser. Ich sage: auch Männer, lest das Buch! Ihr werdet staunen.

Ihr verfolgt aber auch eure eigenen Projekte?

Gerlinde
Natürlich. Bei mir stehen am Start der Dreiteiler "Off to Alaska" und im Frühling 2024 zwei historische Romane aus der Antike bei den Aufbau Verlagen. Liebesromane wie "Die Liebe wohnt in Maple Creek" oder eben "Off to Alaska" wären mit Stefan nicht umzusetzen. Seine von ihm selbst erwähnte "böse Seite" würde tausend Tode sterben. Sie ist ziemlich dominant.

Stefan
Das ist richtig. Außerdem bin und bleibe ich Journalist. Am Rande liebäugle ich mit einem zweiten Teil der Umweltschutz-Abrechnung. Keine Ahnung, ob ich die Zeit finde, zumal mich das Schreiben von Romanen fest im Griff hat.
Artemisia Gentileschi
Leben und Zeit

Artemisia wurde am 8. Juli 1593 in Rom geboren.
Artemisias Eltern, Orazio und Prudenzia, lebten damals in der Via di Ripetta, die von der Piazza del Popolo zum Tiber führt.
Prudenzia entstammte der angesehenen römischen Familie Montoni, Orazio kam aus Pisa, wo sein Vater als Goldschmied tätig war. Als Orazio nach Rom zog, lebte er einige Zeit bei einem Onkel mütterlicherseits. Seinen ursprünglichen Nachnamen - Lomi - legte er ab und nannte sich nach dem Onkel Gentileschi.
Ungefähr um 1600 lernte Orazio den bekannten Maler Caravaggio kennen - ebenfalls eine schillernde, zwiespältige Gestalt des frühen 17. Jahrhunderts. 1604 wurde Orazio Mitglied in der Accademia di San Luca und 1605 erfolgte die Aufnahme in die Congregazione dei Virtuosi al Pantheon aufgenommen - die päpstliche Akademie der schönen Künste. Damit wurde Orazio zu einem der bedeutendsten Maler Roms.
1611 begann seine Zusammenarbeit mit dem ebenfalls bekannten Maler Agostino Tassi. Artemisia war noch keine 18 Jahre alt - in dieser Phase setzt auch unsere Geschichte ein.
Der Name Agostino Tassi wird Artemisia durch unseren Roman begleiten. Er vergewaltigte Artemisia am 6. Mai 1611 und löste sein Eheversprechen nicht ein. Daraufhin wurde Agostino von Orazio im Februar 1612 verklagt. [Anm. G. Friewald: Man muss sich das vorstellen! Erst vergewaltigt Agostino Artemisia, dann verspricht er ihr die Ehe - damit ist alles gut. Der Prozess findet nur statt - fast ein Jahr später, wohlgemerkt -, weil die Hochzeit eben nicht stattfand. Zeigt den Stellenwert der Frau in dieser Zeit allzu deutlich, nicht wahr?]

Artemisias Mutter starb 1605 im Kindbett - Orazio war mit Artemisia und den drei jüngeren Brüdern Francesco, Giulio und Marco allein. 1607 zog Orazios verwitwete Schwester Lucrezia zur Unterstützung bei der Familie Gentileschi ein. Orazio, der Artemisias Talent für die Malerei entdeckt hatte, begann sie in diesem Zeitraum zu unterrichten, obwohl sie als Mädchen nicht offiziell in die Lehre gehen durfte.
Über Artemisias Tante Lucrezia weiß man wenig. Wir haben sie Artemisia als mütterliche Freundin, Ratgeberin und Aufpasserin zur Seite gestellt.

Artemisias Leben fiel in eine besondere Epoche - den Barock. Er entwickelte sich langsam etwa ab Mitte des 16. Jahrhunderts aus der Renaissance, und reichte bis ins 18. Jahrhundert. Wenngleich Italien sowohl vom Dreißigjährigen Krieg als auch von der damalas herrschenden "Kleinen Eiszeit" weitgehend verschont blieb, war Artemisia in ein verzweifeltes Europa hineingeboren worden - Hungersnöte, Hexenverbrennungen, Seuchen, dazu der erbitterte Kampf zwischen Aufklärung und Religion.
In Italien kämpfen Metropolen wie Rom, Florenz, Bologna und Neapel um die Vormachtstellung in der Kunst. Die Künstler selbst trugen untereinander ebenfalls brutale Fehden um Aufträge aus. Oft nur mit wüsten Beschimpfungen, nicht selten endeten sie aber auch mit schweren Verletzungen oder sogar tödlich.

Über die Jahrhunderte hinweg und bis heute wurde Artemisia immer wieder in verschiedene Rollenbilder gezwängt: Liederliches Frauenzimmer, Feministin, von Männern dominierte Marionette, Femme Fatale, traumatisiertes Opfer, Emanze. Wir sehen sie als ebenso emotionale wie sachlich denkende Frau, die mit unbändigem Willen und einer großen Passion Konventionen aufweichte und durchbrach.
Wie Artemisia mit ihrer Zeit nicht nur zurechtkommt, sondern der Kunstwelt ihren Stempel aufdrückt, erzählt unsere Geschichte.
gerlinde@friewald.at
www.friewald.at
Gerlinde Friewald
vertreten durch:
Anna Mechler
Literaturagentur Lesen & Hören, Berlin

Zurück zum Seiteninhalt